Nur eine Phase? Wenn die Mutter ihrer Tochter die Homosexualität abspricht

Ausdrucksstarke Collage zum Thema Coming-out, familiäre Akzeptanz und sexuelle Identität: Auf der linken Seite blickt ein Mädchen in Schwarz-Weiß nachdenklich und leicht irritiert nach oben, während sie den Zeigefinger ans Kinn legt. Sie trägt ein leuchtend pink-orange gestreiftes T-Shirt. Auf der rechten Seite umarmen sich zwei junge Frauen in Schwarz-Weiß innig von hinten und lachen glücklich mit geschlossenen Augen. Die vordere Frau trägt ein pink-schwarz gestreiftes T-Shirt, die hintere ein orangefarbenes Oberteil, welche farblich stark hervortreten. Weiße Fragezeichen-Icons über dem Mädchen und das Pop-Art-Motiv vor einem markanten blau-violetten Wellen-Hintergrund visualisieren pointiert den schmerzhaften Konflikt, wenn die eigene Identität durch die Familie infrage gestellt wird, im starken Kontrast zum puren Glück und der unbestreitbaren Realität echter Liebe.
NDABCREATIVITY, Adobe Stock / Twitterperlen Illustration

Eigentlich sollten diese Dinge alle überhaupt keine Rolle mehr spielen: Jede*r sollte doch einfach lieben dürfen, wen er oder sie will! Was ist denn dabei? Wer wird damit verletzt, wenn zwei Männer sich küssen oder zwei Frauen sich dafür entscheiden, eine Familie zu gründen? Leider ist Homosexualität immer noch alles andere als selbstverständlich. Und obwohl es hierzulande diesbezüglich schon deutlich besser läuft als in anderen Ländern, wo die gleichgeschlechtliche Liebe eine Straftat ist, bei denen in einigen Fällen sogar die Todesstrafe wartet.

In Deutschland muss man wenigstens nicht um sein Leben fürchten, wenn man seine sexuelle Orientierung öffentlich auslebt. Aber leider gibt es trotzdem immer noch viele Menschen, die dafür kein Verständnis haben oder es als unnatürlich empfinden. So ist das auch Threads-Userin atelier.neni passiert. Ihre Nichte hatte eine Beziehung mit einem Mädchen, woraufhin deren Mutter (also ihre Schwester) ihr einimpfte, dass dies nur eine Phase sei. Zum Glück eilte die Tante zur Hilfe. Wir haben die ganze Geschichte und die besten Reaktionen ihrer Community für euch.

Meine Nichte hatte ihre erste Beziehung. Mit einem Mädchen. Ihre Mutter, meine Schwester, hat mir und meiner anderen Schwester erklärt, dass das so ein Trend und einfach nur eine Phase eines 14 jährigen Mädchens sei. Ich kenne so Phasen, meine geht bis heute. Irgendwann kam die Trennung zwischen den beiden, was meine Schwester als Bestätigung sah. Ich sprach mit meiner Nichte und sie litt unter Liebeskummer. Erzählte mir von all den schönen Momenten. Aber auch davon, dass es ja nur eine

Phase sei - die große Verunsicherung, was es bedeuten würde, wären diese Gefühle nicht echt. Was wäre dann echt? Die Worte ihrer Mutter hatten sich tief in ihre Seele eingebrannt. Meine Nichte bedeutet mir unglaublich viel. Sie so verunsichert zu sehen und zu wissen, dass ein so nahestehender Mensch, ihr diese Unsicherheiten antat, hat mich unglaublich verletzt. Ich kenne diesen Umgang und Schmerz. Ich habe mich nie geoutet. Und das war der Moment, in dem mir all meine Ängste egal waren,

und ich da war: Du bist nicht allein. Deine Gefühle sind echt. Du darfst dir vertrauen. Ich bin auch so wie du. Und es war nie eine Phase. Sie war unglaublich überrascht, als ich ihr das mitteilte. Unsere Familie ist größtenteils homophob. Ihre Mutter hat nicht nur ihr erklärt, dass das alles nichts zu bedeuten habe und reine Einbildung sei - sondern auch mir. Danach führten wir eine ganz andere Art von Konversation.

Sie hatte so viele Fragen, die sie nun alle stellen konnte. Zwischen Gummibärchen und Eistee. Der Tag kam mir damals so unglaublich sonnig vor. Dieser Tag war nicht nur für sie unglaublich heilsam, sondern auch für mich. Es sind jetzt zwei Jahre seitdem vergangen und sie trägt ihre Regenbogen-Armbänder voller Stolz. Und wenn jemand ihr aus unserer Familie sagt, sie sei komisch, brüllt sie: genau so wie meine Tante! Und DAS finde ich gut!

Word

Das hast du gut gemacht. Aber zu den Phasen: Es KANN eine Phase sein. Jugendliche probieren sich aus. Das dürfen und müssen sie. Sie müssen sich auf nichts festlegen und nichts darf ihre Gefühle abwerten. Viele homosexuelle Menschen hatten am Anfang eine heterosexuelle Phase, ein austesten "ist es das, was ich will? Was ich bin?" Dieses Austesten muss einfach allen zugestanden sein, völlig wertungsfrei.

Sehr gute Frage

Meine Großmutter ist erzkatholisch, konservativ und rassistisch (da können einem schon mal die Ohren schlackern bei dem was sie manchmal von sich gibt). Von ihr stammt der Spruch "meine Kinder sollen glücklich sein. Ob das mit Mann, Frau, Kindern, ohne Kindern, alleinstehende oder sonst was is, is mir gleich - solang keiner mit Nachbars Ziegenbock ankommt ist alles in Ordnung" Es gibt bei uns nahezu alle Arten von Beziehungen (gleichgeschl. haben wir aktuell glaub ich nicht als "Beziehungstyp")1
2 und ich denk mir.... wenn selbst die alte Oma vom tiefsten Land mit ihren 94 Jahren und teilweise furchtbar konservativ-katholischen Ansichten jegliche Art von Beziehung tolerieren und akzeptieren kann, warum können das nicht alle andren auch? Ich finds für dich und deine Nichte wunderbar.

Beste Antwort

Ich bin so eine Mutter: „Was machst du, wenn dein Sohn mit einem Freund nach Haus kommt?" „Weiß ich doch noch nicht. Kaffee?"

Nur die Liebe zählt

Danke, dass du diesen Moment mit uns geteilt hast. Ganz viel Liebe für dich und deine Nichte!

Wir auch

ich liebe alles hieran.

Support ist das Wichtigste

Wie wundervoll Du sie unterstützt

Bestimmt

Wie schön gut, dass sie nun nicht mehr mit ihren Gefühlen alleine ist Meine Tochter (12) fragte mich vor 2 Wochen, ob ich schon mal den Gedanken hätte, auf Frauen zu stehen. Ich: naja, ich bin bi. Sie: ja ok, aber ich meinte, nur auf Frauen. Ich: nein eigtl nicht. Warum sie fragte, keine Ahnung. Aber ich hoffe, sie weiß, dass sie auch in solchen Fällen immer zu mir kommen kann.

Nichts sonst zählt

Meine 6jährige Tochter möchte später ihre Kindergartenfreundin heiraten. Weil die können dann keine Kinder bekommen und sich zusammen ein schönes Leben machen. Meine innere Revoluzzerin hats gefeiert. Und ja, im Kindergarten ist es tatsächlich noch eine Phase und wird sich noch zigmal ändern. Aber es ist mir tatsächlich relativ egal mit wem sie irgendwann mal nach Hause kommt, solange die Person gut zu ihr ist.

Verrückt

Hab mich mit 14 meiner Mutter als bi geoutet. Sie ist eigentlich tolerant + ally, aber da kam auch "nur eine Phase!" Jahre später erwähnte ich beiläufig wieder, dass ich bi sei. Sie fiel aus allen Wolken. "Das wusste ich ja gar nicht!" Wahrscheinlich war das soo drin, dass sie mein Outing nicht ernst nahm+vergaß. Meine Beziehungen waren straight passing Erinnere ich mich über 20 Jahre später noch an den Spruch. (Es ist alles gut zwischen uns+ ich weiß nun, dass ich pan bin.)

Sowas von Ehrentante

Und das liebe welt ist eine verdammt gute Tante! Quasi eine Ehren-Tante:) So toll wie du ihr beistehst und so wichtig heutzutage
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