Wenn das schreiende Kind im Wartezimmer zum Problem wird

Ausdrucksstarke Collage zum Thema Kinder im öffentlichen Raum: Eine Frau in Schwarz-Weiß blickt skeptisch und leicht genervt zur Seite, während sie ein Baby auf dem Arm hält. Die Frau trägt ein leuchtend pinkes Oberteil, das Baby einen hellen Pullover. Um sie herum schweben weiße Icons: ein schreiender Kopf, Fragezeichen und ein Megafon. Das Pop-Art-Motiv vor einem blau-violetten Wellen-Hintergrund visualisiert den Stress von Eltern in der Öffentlichkeit und die oft fehlende Empathie der Mitmenschen bei weinenden Kindern.
LIGHTFIELD STUDIOS, Adobe Stock / Twitterperlen Illustration

Habt ihr Kinder? Dann habt ihr diese Situation bestimmt schon erlebt. Ihr wagt euch mit eurem Nachwuchs raus in die Öffentlichkeit und plötzlich endet alles in einem Drama. Weil ihr im Supermarkt nicht genau das kaufen wollt, was euer Kind vehement fordert, schmeißt es sich als Folge schreiend auf den Boden und weigert sich, wieder aufzustehen oder leise zu sein. Oder aber ihr wagt euch in eurer Elternzeit mit dem gerade frisch geschlüpften Baby ins Café um die Ecke, seid selbst total aufgeregt aufgrund dieses kleinen Abenteuers – nur um dann traurig festzustellen, dass euch keine leuchtenden Augen und lachenden Gesichter empfangen, sondern genervte Seitenblicke, sobald der oder die Kleine auch nur ein minimales Geräusch von sich gibt. Keine Frage, es gibt deutlich kinderfreundlichere Länder als Deutschland.

Das hat auch Threads-User @timur_20tu festgestellt, der selbst beim Arzt war und bemerkt hat, wie genervt die anderen Patient*innen auf eine Mutter und ihr schreiendes Kind reagiert haben. Wie wäre es stattdessen mal mit einer Portion Empathie? Davon hätten alle mehr. Wir haben die besten Reaktionen seiner Community für euch gesammelt.

Ich war beim Hausarzt, das Wartezimmer war sehr voll. Mittendrin eine Mama mit ihrem Kleinkind, offenbar weil sie keine andere Möglichkeit hatte, und das Kind hat laut geweint. Man hat gemerkt, wie sehr sie sich geschämt und versucht hat, ihr Kind zu beruhigen. Dabei schreien Kinder nun mal manchmal und ein Wartezimmer ist sicher kein schöner Ort für sie. Das Problem war nicht das Kind, sondern die Blicke. Diese genervten, verachtenden Blicke. Als wäre Überforderung ein Fehler und ein Kind
ein Kind eine Zumutung. Ein bisschen mehr Verständnis hätte niemandem geschadet, dieser Mama aber vielleicht den Moment leichter gemacht.

Zu recht

Ich saß mit meiner damals vier jährigen im Wartezimmer, OP Vorbereitung für sie stand an. Ich habe ihr leise vorgelesen. Eine Dame beschwerte sich lauthals, sie solle sich leise beschäftigen, das stört. Wenig später begann sie eine Unterhaltung, bin ihr direkt übers Maul gefahren

Wer hier unangenehm war, ist allen klar, oder?

Ich war mal mit meinem damals 2jahrigen Kind bei einem Gottesdienst in der Kirche. Er fand es total interessant, hat viel gezeigt, lalala gemacht wenn der Chor gesungen hat - vor uns saß eine ältere Dame, die sich umgedreht hat und uns dermaßen zusammen geschissen hat, dass es durch die ganze Kirche schallte. Mir war das so unangenehm, dass ich fluchtartig samt Kinderwagen die Kirche verließ, der Pfarrer rannte uns sogar hinterher. Ich konnte aber nicht mehr rein 1/2
weil es mich so fertig gemacht hat. Bin dann heulend nach Hause. Das hat mich dermaßen traumatisiert dass ich mich kaum noch traue, irgendwo alleine mit meinem Kind hinzugehen. Nur wenn der Vater / mein Ehemann dabei ist. Weil die Frau so aggressiv uns gegenüber war. 2/2

Das hilft so sehr

Ich kenn das leider zu gut die Große war ein "Schreibaby" und hat eine angeborene Regulationsstörung. Als Kleinkind unfassbar lebhaft, schnell gelangweilt. Restaurantbesuche oder Veranstaltungen haben wir irgendwann komplett gecancelt. Mit ihr im Wartezimmer zu sitzen war der absolute Horror, ließ sich aber leider nicht immer vermeiden... Ich versuche den Eltern mit solchen Kindern immer ein Lächeln zu schenken und zu signalisieren, dass ich das kenne und Verständnis habe.

Schon mal darüber nachgedacht?

Ich saß schon mit heulendem Baby im Wartezimmer beim Hausarzt. Kind krank, ich krank und als Alleinerziehende MUSS ich mein Kind mitnehmen, ob ich will oder nicht. Und ich würde auch lieber mein krankes Kind in seinem Bett lassen, aber die Option habe ich einfach nicht.

Das kann man nachvollziehen

Ich gestehe, ich bin auch schnell genervt und überreizt bei Kindergeschrei. Das liegt aber vor allem an meiner hochsensibilität. Wenn ich aber sehe, dass das anwesende Elternteil sich Mühe gibt das Kind zu beruhigen dann hab ich meine Mimik auch im Griff. Schlimm finde ich die Eltern denen es Schnurz ist und da verdreh ich die Augen dann ned wegen dem Kind, sondern wegen dieser Gleichgültigkeit

So könnte es auch sein

Einmal in der New Yorker U-Bahn erlebt: Mutter mit laut schreiendem Kind. Mutter verzweifelt am Versuch das Kind zu beruhigen. Das Kind hat ein Spielzeugauto geworfen, irgendwer hat's abbekommen. Hat gelächelt und es der Mutter zurückgegeben. Auch alle anderen waren verständnisvoll. Ich finde die US amerikanische oberflächliche Höflichkeit oft komisch, aber in der Situation war es total schön zu sehen wie alle zumindest so tun als wären sie verständnisvoll oder es sogar wirklich waren.

Schon irgendwie, ja

Heute sollte man sich besser einen Hund zulegen. Die werden lieber gesehen als Kinder. Eine traurige Welt!

Es könnte so einfach sein

ich hatte mal die gleiche Situation mit meinem sohn - hatten beide die Influenza und waren erst beim Kinderarzt und dann bei meiner Vertretungsärztin, weil zwischen den jahren und habe ne Krankmeldung gebraucht - mein sohn ist auf mir eingeschlafen vor fieber. Praxis brechend voll und die Dame am Empfang hat nur gesagt, dass sie mich vor zieht, damit wir ins bett kommen und alle haben meinem sohn ne gute Besserung gewünscht und waren ganz lieb. war ne super erfahrung

Da könnte Deutschland sich eine Scheibe abschneiden

In Spanien käme niemand auf die Idee, sich Kindern gegenüber so zu Verhalten. Deutschland ist emotional oft schon ganz schön Arm.

*haut sich mit der Hand gegen die Stirn*

Ich wurde mal in der Sportklinik von einer alten Frau angeschnauzt weil mein wenige Wochen altes Baby 3 Minuten geweint hatte. Die hat sich sogar am Empfang beschwert. Mich wundert sowas nicht mehr.

Sehr gute Taktik

Ich finde Patienten, die mit Lautsprecher telefonieren, viel viel viel nerviger als weinende Kinder. Wir bemühen uns immer, Kinder vorzuziehen, wenn möglich, vor allem wenn man merkt, das Kind ist unruhig. Ich frage immer ganz offen ins Wartezimmer, dass es wohl niemanden stört, wenn ich das Kind vorziehe. Auch wenn es bestimmt welche gibt, die es nicht wollen, es hat sich noch keiner getraut, nein zu sagen

Danke dafür

Ich sage in solchen Situationen jetzt oft etwas und unterstütze die Mamas mit den Kindern.
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