Tochter hat mit 11 einen Freund und ich lese heimlich ihre WhatsApp-Nachrichten – Die Papa-Kolumne

Papa, bist du wach? Twitterperlen Kolumne

Ausgabe #4 – Neue Folge der Kolumne „Papa, bist du wach?“ über den Moment, in dem man merkt, dass man nicht mehr der Wichtigste ist

Auf den ersten Freund deiner eigenen Tochter bereitet dich nichts vor. Kein Buch, kein Podcast, kein Vater, der das schon hinter sich hat und dir bedeutungsschwanger zulächelt. Man glaubt, man hat Zeit. Einen Zeitplan, mindestens. Meine Tochter ist elf. Den Zeitplan hat ihr niemand geschickt.

Meine Frau hat es mir am Telefon mitgeteilt. Aufgebracht zwar, aber mit einem aufgeregten Grinsen in der Stimme, das man auch durch die Leitung hören konnte. Wir mussten beide grinsen wie kleine Honigkuchenpferde. Und dann gingen bei mir natürlich sofort die Fragen los. Wie heißt der? Ist der aus ihrer Klasse? Wann kommt der vorbei? Irgendwo dazwischen, leise aber unüberhörbar: der Beschützerinstinkt. Der schaltet sich einfach ohne zu fragen dazu.

Und dann natürlich das Handy, das kam zum Schulwechsel. Inklusive explodierender WhatsApp-Gruppen und einer Flut aus „tOtAl wItzIgEn“ GIFs. Und darüber wurde dann natürlich fleißig mit dem neuen Schwarm geschrieben. Wobei „schreiben“ das falsche Wort ist, die beiden schicken sich hauptsächlich Emojis. Als nämlich geklärt war, dass man jetzt zusammen sei, weil man einen „Crush“ aufeinander hätte, war das Wichtigste bereits besprochen. Was blieb, sind Herzchen. Und noch mehr Herzchen.

Am Anfang haben wir mitgelesen. Natürlich. Wir wollten wissen, ob der Typ sie veräppelt. Ob sie ihm gegenüber fair ist. Wir nannten es Medienkompetenz und das stimmte sogar, irgendwie. Dann kam der Meltdown. Sie wollte nicht mehr, dass wir jede Nachricht dieser jungen Liebe kennen. Und ehrlich gesagt: Recht hatte sie.

Also haben wir reflektiert, Regeln aufgestellt und uns zurückgezogen. Sei fair. Lass dich nicht verletzen. Schick keine Fotos, bei denen du nicht willst, dass sie jemand anderes sieht. Die Regeln wurden angenommen. Eine Weile später stand er dann auch tatsächlich vor unserem Haus. Die beiden sind spazieren gegangen. Ins Haus durfte er nicht – von seinen Eltern aus, die uns ja auch nicht kennen. Ich fand das sympathisch.

Ich hätte als Kind auch nicht gewollt, dass meine Eltern meine Nachrichten lesen. Ich hatte damals schon eine ziemlich gute Vorstellung davon, wie man mit anderen umgeht. Meistens. Und aus den Fehlern, bei denen das nicht der Fall war, habe ich am meisten gelernt. Vielleicht ist das der eigentliche Job als Elternteil: Regeln geben, loslassen und darauf vertrauen, dass man vorher das Richtige gesagt hat.

Ich hätte nur nie gedacht, dass es so früh losgeht.

Was andere Eltern in ähnlichen Situationen bewegt, schreiben und manchmal auch verzweifelt fragen – ihr findet es hier:

#1: Solche Momente lieben wir

Wenn wir zusammen essen und etwas fehlt, sagt mein Partner sehr oft „bleib sitzen“, wenn ich reflexartig aufspringe. Heute hab ich mit dem kleinen Igel gegessen und als ihm etwas zum trinken fehlte, sagte er „bleib sitzen Mama, du isst ja gerade“ - Kinder spiegeln euch 🩷

#2: Mindestens gelbe Karte für den Sohn

Ich zum Teenie: „Respektier mal bitte mehr deinen Vater“ Kommentator: Schiri pfeift Abseits Ich: DAS IST DOCH KOMPLETTER BESCHISS, BIST DU BLIND ODER WAS?! Sohn: … Ich: Was guckst du so? Sohn: Nix. Beobachte nur deine Vorbildfunktion.“

#3: Wenn Sheldon J. Plankton Erfolg hätte

K1 wacht heute Nacht weinend auf. Ich Frage sie ob sie schlecht geträumt hat. "Ja, der Papa hat in der krossen Krabbe gearbeitet und die Hamburger haben richtig schlecht geschmeckt!" Ja gut. Ich muss zugeben, da kam überraschend 😂

#4: So kommt man als Vater auch mal wieder an die frische Luft

„Papa, ich geh joggen.“ „Samstag. 8:00 Uhr. Wer bist du und was hast du mit meiner Tochter gemacht?“ „Sehr witzig.“ „Freiwillig Sport am Wochenende? Ich bin irritiert.“ „Papa …“ „Ja?“ „Ich geh mit einem Jungen joggen.“ Ich jetzt auch. Hinter den Beiden. Mit Fernglas

#5: Lost in Transportation

In einer weit entfernten Großstadt in einem riesigen vollen Bahnhof waren ein verzweifelter Vater und sein erwachsener Sohn auf der Suche nacheinander und fanden sich nicht. Aber fast zur selben Zeit kam ihnen die rettende Idee und sie riefen die Mutter an. GottseiDank.

#6: Währenddessen schläft meine Tochter vermutlich noch bis sie 24 ist bei uns im Bett

Wir werden diesen Tag jetzt alle rot im Kalender markieren, denn das Kleinkind sagte eben zum Papa "Geh raus, ich will alleine einschlafen." Und dann ist er einfach alleine eingeschlafen. So als sei das gar nichts.

#7: Wurdet ihr schon mal fälschlicherweise von den Eltern geweckt und dann waren Ferien? Beste …

Um 6 Uhr aufgestanden, Brotdosen gemacht, Teenager geweckt – hochmotiviert wie ein Bildungsminister. Dann die bittere Erkenntnis: Ferien. … und während die Kinder weiterschlafen, sitze ich kopfschüttelnd mit 2 Brotdosen und Kaffee in der Küche – als stiller Held der Ferienzeit

#8: Absolute Legende

Wenn ich mich mal fehl am Platz fühle, denke ich an meinen Papa, der am Elternabend in den falschen Raum gelaufen ist und dort zum Vorsitzenden gewählt wurde.

#9: Kann man noch YOLO sagen?

Ich: "Bro, das ist so delulu. Lag vorhin krass falsch mit meiner Einschätzung, Schere, Digga." Mein Sohn: "Papa. Bitte hör auf, so zu reden. Das ist kulturelle Aneignung in ihrer schlimmsten Form."

#10: Man kann diesen Text riechen

Anruf vom Teenager: „PAPA! Wir haben keine Teller mehr!“ „Wie viele Teller stehen denn auf deinem Schreibtisch?“ „6…Wieso?“ Offensichtlich reicht ein halbes Dutzend Teller nicht, um ein Teenager-Haushaltssystem aufrechtzuerhalten, wenn man für 2 Tage verreist ist 🙄

#11: Versteht man auch erst, wenn man Kinder hat

Mein Mann ist gestern Abend mit Baby auf der Couch eingeschlafen… Naja Baby hat die Nacht durchgeschlafen und mein Mann schläft halt wenn er nicht geweckt wird. Ich war „leider“ alleine im Schlafzimmer. Schade Marmelade.

#12: Amen, Bruder

Ich sitze hier und schreibe. Oben liegt der Bebimann. In Sicherheit. Und gesund. Was ich mir wünsche? Keine Millionen. Kein Popstar Bekanntheitsgrad. Keine Macht. Nur das es so bleibt.

Ihr braucht noch mehr?

SCHLIESSEN
Artikel Teilen