
Ausgabe #4 – Neue Folge der Kolumne „Papa, bist du wach?“ über den Moment, in dem man merkt, dass man nicht mehr der Wichtigste ist
Auf den ersten Freund deiner eigenen Tochter bereitet dich nichts vor. Kein Buch, kein Podcast, kein Vater, der das schon hinter sich hat und dir bedeutungsschwanger zulächelt. Man glaubt, man hat Zeit. Einen Zeitplan, mindestens. Meine Tochter ist elf. Den Zeitplan hat ihr niemand geschickt.
Meine Frau hat es mir am Telefon mitgeteilt. Aufgebracht zwar, aber mit einem aufgeregten Grinsen in der Stimme, das man auch durch die Leitung hören konnte. Wir mussten beide grinsen wie kleine Honigkuchenpferde. Und dann gingen bei mir natürlich sofort die Fragen los. Wie heißt der? Ist der aus ihrer Klasse? Wann kommt der vorbei? Irgendwo dazwischen, leise aber unüberhörbar: der Beschützerinstinkt. Der schaltet sich einfach ohne zu fragen dazu.
Und dann natürlich das Handy, das kam zum Schulwechsel. Inklusive explodierender WhatsApp-Gruppen und einer Flut aus „tOtAl wItzIgEn“ GIFs. Und darüber wurde dann natürlich fleißig mit dem neuen Schwarm geschrieben. Wobei „schreiben“ das falsche Wort ist, die beiden schicken sich hauptsächlich Emojis. Als nämlich geklärt war, dass man jetzt zusammen sei, weil man einen „Crush“ aufeinander hätte, war das Wichtigste bereits besprochen. Was blieb, sind Herzchen. Und noch mehr Herzchen.
Am Anfang haben wir mitgelesen. Natürlich. Wir wollten wissen, ob der Typ sie veräppelt. Ob sie ihm gegenüber fair ist. Wir nannten es Medienkompetenz und das stimmte sogar, irgendwie. Dann kam der Meltdown. Sie wollte nicht mehr, dass wir jede Nachricht dieser jungen Liebe kennen. Und ehrlich gesagt: Recht hatte sie.
Also haben wir reflektiert, Regeln aufgestellt und uns zurückgezogen. Sei fair. Lass dich nicht verletzen. Schick keine Fotos, bei denen du nicht willst, dass sie jemand anderes sieht. Die Regeln wurden angenommen. Eine Weile später stand er dann auch tatsächlich vor unserem Haus. Die beiden sind spazieren gegangen. Ins Haus durfte er nicht – von seinen Eltern aus, die uns ja auch nicht kennen. Ich fand das sympathisch.
Ich hätte als Kind auch nicht gewollt, dass meine Eltern meine Nachrichten lesen. Ich hatte damals schon eine ziemlich gute Vorstellung davon, wie man mit anderen umgeht. Meistens. Und aus den Fehlern, bei denen das nicht der Fall war, habe ich am meisten gelernt. Vielleicht ist das der eigentliche Job als Elternteil: Regeln geben, loslassen und darauf vertrauen, dass man vorher das Richtige gesagt hat.
Ich hätte nur nie gedacht, dass es so früh losgeht.
Was andere Eltern in ähnlichen Situationen bewegt, schreiben und manchmal auch verzweifelt fragen – ihr findet es hier:
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