Geständnis eines Vaters: „Die Kinder kommen viel zu kurz“

Yura Yarema, VK Studio, Adobe Stock / Twitterperlen Illustrations

Wer erwachsen ist, hat dieses Gefühl früher oder später sicher schon einmal erlebt: das Hamsterrad. Man strampelt und strampelt und strampelt und am Ende kommt trotzdem immer irgendjemand zu kurz. Entweder das eigene Bankkonto, die Kinder oder man selbst. Reddit-User provencfg fühlt sich genau in diesem Dilemma gefangen. Morgens um fünf klingelt der Wecker, dann geht’s zur Arbeit, von der man im besten Fall gerade rechtzeitig nach Hause kommt, um das Kind von der Kita abzuholen.

Energie, um noch etwas Schönes gemeinsam zu machen, hat man meistens nicht mehr und genauso sieht auch die Abendgestaltung aus. Trotzdem reicht das Geld nicht für größere Anschaffungen oder Urlaube. Dass diese Zwickmühle vielen Menschen bekannt vorkommt, zeigen die einfühlsamen Kommentare seiner Community, bei denen sich auch der ein oder andere Tipp finden lässt. Wir haben sie für euch gesammelt.

provencfg

Jeden ver****ten Tag 8-10 Stunden malochen. Früh um 5 klingelt der Wecker. Ich bin aus dem Haus bevor Frau und Kinder wach sind. Im besten Fall bin ich rechtzeitig zu Hause um die kleine mit aus der Kita abzuholen.

Völlig ausgelaugt von der Arbeit möchte man sich eigentlich nur auf die Couch oder direkt ins Bett werfen. Neben all den sonstigen täglichen Verpflichtungen kommen die Kinder dann oft viel zu kurz und genau das hasse ich.

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provencfg

Die Kohle reicht zum Leben ja, aber um sich mal größere Wünsche zu erfüllen muss man ewig sparen. Meine Frau will ein Haus. War schon immer ihr größter Wunsch. Ich bin Realist und sage ihr immer wieder „nicht in diesem Leben“.

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provencfg

Wir sparen wo es nur geht, gönnen uns alle 2 Jahre mal 2 Wochen Ostsee auf dem Campingplatz. Im Flugzeug saß ich bisher nur 3 mal, dienstlich natürlich. Selbst da hat es einmal nur für den Rückflug gereicht. Hinzu nach Rumänien musste ich mit einem Kollegen zusammen den Sprinter fahren damit wir uns abwechseln konnten.

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provencfg

Naja, viel Gemecker und Gejammer, aber der eigentliche Punkt ist wie schon erwähnt die fehlende Energie und Zeit für meine Familie. Musste mal raus.

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Sind wir alle im selben Hamsterrad gefangen?

Vermutlich haben die meisten Eltern hin und wieder diesen Moment, in dem man an allem zweifelt. Man wünscht sich Kinder, eine Familie, einen Job, der einem Spaß macht, und ein Zuhause, in dem man glückliche Stunden verbringt. Die Realität sieht oft ganz anders aus. Stress, finanzieller Druck, Unzufriedenheit und das ohne Aussicht auf Besserung. Umso wichtiger sind Menschen, die einen verstehen. Das zeigen auch die Kommentare aus der Reddit-Community.

Lohnt sich, das abzuklären

Wenn du so wenig verdienst, dass es alle 2Jahre für ein Camping Urlaub reicht, seid ihr evtl auch Wohngeld berechtigt. Dafür muss man nicht arbeitslos sein.

Wenn das so einfach wäre

Nimm die Kinder mit zur Arbeit. Früh übt sich Galigrü, dein Friedrich Ernstgemeintes Edit: Mein Vater hat auch sehr viel gearbeitet und war danach so kaputt, dass ich ihn meist nur pennend auf der couch erlebt habe. Meine Mutter hat eine Zeit gar nicht und dann teilzeit von zuhause gearbeitet, sie ist dann später als ich etwas älter war wieder mehr ins Büro. Hat der Beziehung zu meinem Vater aber alles keinen Abbruch getan, falls dich das beruhigt.

Schwierigste Lebensaufgabe

Drei Währungen gibt es im Leben: Gesundheit, Zeit und Geld. Die muss man in Einklang kriegen, was sehr schwer ist. Versuche aber unbedingt Zeit für deine Kinder zu finden. Denk nicht nur ans Geld, auch wenn man jeden Tag daran erinnert wird. Fokussiere dich mehr auf das, was dich glücklich macht. Mir geht es nicht anders als dir, aber Familie ist so wichtig. Ändere Dinge, die du ändern kannst. Dinge, die du nicht ändern kannst (z. B. Nachbarn) schieb beiseite. Stück für Stück

Wie traurig

Fühl ich. Ich wohne (noch) bei meinen eltern, und es gab zeiten da haben wir uns eichenlang nicht gesehen. Meine eltern sind dann ab 7 uhr ausm haus, meine schucht beginnt aber erst um 11/12/13 uhr. Wenn ich also nach der arbeit um 22 uhr nach hause komme, sind meine eltern schon im bett gewesen. Dann die Wochenenden, musste ich auch des öfteren arbeiten. Mein vater war dann gerne am Wochenende woanders arbeiten oder hat mit meiner mutter einen Kurzurlaub gemacht, also sah man sich dort auch nicht. Es ist einfach scheiße. Ich hab das als kind ja selber erlebt, meine eltern waren immer arbeiten, ich hab eigentlich kaum was mit ihnen gemacht. Die waren halt immer ausser haus, kam ich von der schule war ich erstmal ein paar stunden allein. Und wenn sie dann nach hause kamen gabs nur stress weil Hausarbeit, egal wie viel ich gemacht habe es musste immer noch mehr gemacht werden.

Willkommen im Hamsterrad

Ich verstehe absolut, was du meinst. Ich verdiene nicht mal schlecht, kann mir sogar mehrere Flugreisen pro Jahr quasi problemlos leisten. Aber der Rest des Jahres? Komplett verschenkt. Jeden Tag sitz ich im Büro von Morgen bis Abends und werde immer verbitterter. Zwei Bekannte in meinem Umfeld sind bewusst arbeitslos und ehrlich gesagt leben sie genau das Leben, das ich will. Klar, Urlaube sind nocht drin. Aber beide haben schöne Wohnungen, Hobbies, können jeden Tag frisch kochen, Spaziergänge ohne Ende, die Jahreskarte für's Schwimmbad gab's umsonst. Ich bin kurz davor, alles hinzuschmeißen. Also ich verstehe dich nur zu gut.

Kennt jeder, oder?

Es zählen die Momente, in denen du Zeit mit deinen Kindern verbringst. Ja,kenne ich sehr gut,ausgelaugt von der Arbeit, Familie daheim, täglich die Geldsorgen, jeder möchte was von dir und du bist nur platt. Um Energie zu bekommen,bitte deine Familie darum,dir nach der Arbeit eine halbe Stunde Zeit zu geben. Den Arbeitstag Mal sacken lassen. Da kann man etwas Energie bekommen, und dann hopp, ab ins Familienleben. Vielleicht noch etwas knuddeln mit den Kindern,dann richtet zusammen das Abendessen. Es ist schlimm, wenn man anfängt, die Familie zusätzlich als Stress zu sehen, sie sollte Erholung sein. Klappt auch nicht jeden Tag, aber hey, morgen ist ein neuer Tag!
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