Thread: In vier Wochen beginnen die Ferien

Wenn man durch soziale Medien scrollt, bekommt man unweigerlich den Eindruck, dass Elternschaft im Prinzip aus einer Aneinanderreihung von gewitzten Wortwechseln, kreativem Chaos und unendlicher Liebe besteht. So erstrebenswert diese Mischung ist, so unrealistisch sind diese Momentaufnahmen natĂŒrlich, zumindest im Gros betrachtet. In etwa wie eine Werbung fĂŒr Chips, bei der sich fĂŒnf Menschen glĂŒcklich eine einzige Packung teilen, nirgendwo ein KrĂŒmelchen liegt und keiner Sodbrennen bekommt. SelbstverstĂ€ndlich ist das Familienleben lohnenswert und fĂŒr die meisten Menschen eine SehnsuchtserfĂŒllung, dennoch darf man nicht vergessen, dass es unweigerlich einen Rucksack voller Verpflichtungen mit sich bringt. Stress, Streit, Frustration, Sorgen, Unzufriedenheit, VersagensĂ€ngste und das permanente GefĂŒhl, niemals im Leben allem gerecht werden zu können – Eltern könnten BĂŒcher damit fĂŒllen. Wenn sie Zeit dazu hĂ€tten!

Und wĂ€hrend Mamas und Papas Tag fĂŒr Tag ihr Bestes versuchen, kommen manche an irgendeinem Punkt zu der Feststellung, dass sie den Anforderungen der Elternschaft einfach nicht gerecht werden können. Besonders Frauen, denen immer wieder vermittelt wird, die Mutterschaft wĂ€re der Gipfel ihrer Existenz, fĂ€llt dieser Schritt nicht leicht. Zu groß sind innere Konflikte und natĂŒrlich die Furcht vor sozialer Ächtung. Dabei ist die Erkenntnis, so verstörend sie fĂŒr viele sein mag, vor allen Dingen eins: ehrlich. Und die Voraussetzung dafĂŒr, das Familienleben so zu gestalten, dass die BedĂŒrfnisse der Kinder keinesfalls unter die RĂ€der geraten. Zu dieser EinschĂ€tzung kam auch Twitteruserin @IamJ9_. Dies ist ihr mutiger Thread:

So reagieren andere Userinnen und User:

Das PhĂ€nomen, die Mutterschaft zu bereuen, wird seit einigen Jahren unter dem Schlagwort „regretting motherhood“ öffentlich und auch wissenschaftlich diskutiert. Eine gute Entwicklung, wie wird finden, denn sie fördert auch den ehrlichen Umgang mit der Herausforderung, denen Eltern – insbesondere MĂŒtter – unweigerlich ausgesetzt sind. Besonders in den Corona-Jahren, in denen die Mehrfachbelastung kaum mehr zu stemmen war, stieg der Anteil derjenigen Eltern, die sich im Nachhinein gegen Kinder entschieden hĂ€tten, statistisch nachweisbar an. Dabei sind es selbstverstĂ€ndlich nicht nur MĂŒtter, die leiden. Voraussetzung, dass eine Lösung gefunden wird, die dem Nachwuchs gerecht wird, ist vor allem eins: der Mut, ehrlich zu sein und zu kommunizieren, dass man Hilfe braucht. Genau dafĂŒr bekam der Thread jede Menge Zuspruch von Twitteruserinnen und -usern.

VerstĂ€ndnis – so wichtig

Wir haben nachgeschaut: nirgends

Wie viele Frauen wohl stumm leiden?

DafĂŒr muss man sich nicht rechtfertigen

Es wĂ€re allen Eltern in dieser Situation zu wĂŒnschen!

Es muss nicht das Ende der Familie sein

Auch darĂŒber sollten wir reden

Eltern sein ist hart!

Von der schwierigen Aufgabe, eigene Grenzen zu setzen und zu wahren, handelt auch der folgende Thread:

Thread: Ich habe aufgehört, mich zu schÀmen

Über den Autor/die Autorin

Manuela Jungkind

Ganz hohes Tier

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