Die Twitterperlen des Tages vom 29. September 2020

Es war ein Dienstag, wie jeder andere. Feierabendzeit. Schlag sieben Uhr spielte die alte Juke Box in der Ecke „Lonesome Town“ und mit Beginn der ersten Strophe tranken die drei Gäste auf ihren Barhockern synchron den ersten Futschi des Abends.

Die Luft bot eine olfaktorische Achterbahnfahrt aus Zigarettenqualm, Kotze, getrockneten kaltem Schweiß und Alkohol. Sie war so dicht und schwer, dass man sie ohne Probleme hätte in Streifen schneiden können. Im Zusammenspiel mit dem uringelben Neonlicht in der Ecke, wirkte das Etablissement wie eine schlecht ausgeleuchtete Theaterbühne, bei der jemand vergessen hatte die Nebelmaschine auszuschalten.
Die Einrichtung bestand aus einem alten Tresen in Eiche-Rustikal-Optik, vier wackeligen Tischen und einer roten Samtcouch, die mehr Brandlöcher als ein Nudelsieb hatte. Hinter der Bar stand Michaela und polierte die zerkratzen Biergläser mit einem zerfledderten Geschirrtuch, während sie ihren Gästen zuhörte wie sie sich unterhielten. Gedanklich lag sie zu Hause in der Badewanne, wo sie auch ihre jüngere Kollegin Franziska vermutete, mit der sie kurzfristig die Schicht getauscht hatte.
Der Wunsch nach einer weiteren Runde Bier vom Fass holte sie jedoch in die Realität zurück. Ihre drei Gäste waren offenkundig nicht von hier. Dem Dialekt nach hätten sie aus Bayern oder Franken kommen können, doch so genau konnte sie das dann doch nicht sagen. Beim dritten hätte sie aber schwören können, dass da ein Hauch von Schweizer Dialekt mitschwang, als er kurz darauf die nächste Runde Futschi bestellte.
Steigender Alkoholpegel oder nicht, die drei schienen nicht ganz sauber zu sein. Ständig faselten sie was von Faffs, Rehtwiets, Häschtacks und blauen Perlen. Sie redeten über Atommüll, fabulierten von effektiven Einbruchschutz und dass sie beim Kochen Freiraum in ihren Küchen bräuchten. Nach der zweiten Bierrunde wollte sie die Drei dann fragen, ob sie von „Bonnies Ranch“ geflohen seien, quittierte den Gedanken jedoch, als ihr bewusst wurde, dass die Jungs den Inside-Joke um die Karl Bonhoeffer Nervenklinik wahrscheinlich nicht verstehen würden. Als es just in diesem Moment um Abtreibungen für Männer im Media Markt und versteckte WLAN-Passwörter in Laubhaufen ging, fiel ihr vor Schreck eine Biertulpe aus der Hand. Während sie fluchend das Glas aufsammelte und die Scherben zusammenfegte, rutschte ihr dann doch eine nonchalante Bemerkung heraus. „Über was zum Geier redet ihr da eigentlich???“ Die drei Männer schauten auf, konnten sich jeder ihr Lächeln kaum verkneifen und antworteten schließlich im Chor: „Die 10 Twitterperlen des Tages.“

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